Does everybody want to be an influencer?

Eine Deep-Analyse von 4.200 deutschen Befragten zeigt: Ein Großteil der vermeintlichen „Creator-Generation" möchte gar nicht vor der Kamera stehen — und wer trotzdem davon ausgeht, übersieht die wertvollsten Multiplikator:innen.

Hero-Visualisierung · Creator-Personae 2026
Quelle: LUMIFAI Persona-Welle DE-2026.1 · n=4.200 · Mehr Methoden-Details unter Methodik & Datenbasis.

Wenn man Marketingverantwortlichen heute zuhört, scheint die Creator Economy eine kollektive Bewegung zu sein: Jede:r will Influencer:in werden, jede:r möchte vor der Kamera stehen, jede:r baut sich gerade die persönliche Marke auf. Unsere aktuelle Persona-Welle für den deutschen Markt zeigt ein anderes Bild — und wirft eine Frage auf, die in der Strategie-Diskussion erstaunlich selten gestellt wird: Wer von Ihrer Zielgruppe will eigentlich auftreten?

Die kurze Antwort: weniger Menschen, als Sie denken. Die längere Antwort beginnt damit, sauber zu trennen, was wir mit Influencer wirklich meinen — und welche Rolle Menschen in einem Markenökosystem tatsächlich spielen wollen, wenn man sie ernsthaft fragt.

Kapitel 01Der Influencer-Mythos in Zahlen.

Wir haben 4.200 deutschen Konsument:innen zwischen 18 und 49 zwölf Skalen-Items zur eigenen Sichtbarkeitspräferenz vorgelegt — kombiniert mit konkreten Verhaltensfragen zur letzten 30-Tage-Aktivität auf TikTok, Instagram, LinkedIn und YouTube. Das Ergebnis: nur 11% der Befragten zeigen ein aktives Auftrittsverhalten plus den klar formulierten Wunsch nach mehr Reichweite. Der mit Abstand größte Teil — 64% — konsumiert intensiv, kommentiert selten und teilt fast nie öffentlich.

11%
Aktive Creator
Eigene Inhalte + expliziter Wunsch nach mehr Reichweite.
25%
Stille Multiplikator:innen
Teilen mit kleinen Zirkeln — entscheiden für viele.
64%
Reine Konsument:innen
Hoher Konsum, fast keine öffentliche Sichtbarkeit.

Damit verschiebt sich die strategische Frage. Ein Markenökosystem, das ausschließlich auf die 11% einzahlt, lässt — buchstäblich — den Großteil seiner Zielgruppe links liegen. Und unter den 25% der stillen Multiplikator:innen verbergen sich genau jene Personen, die in Familien- und Freundeskreisen Kaufentscheidungen mit überdurchschnittlicher Hebelwirkung beeinflussen.

Wir verwechseln Sichtbarkeit mit Einfluss. Die wirklich entscheidenden Stimmen einer Zielgruppe stehen oft gerade nicht vor der Kamera. Julia Weiss · Principal Brand Strategy

Kapitel 02Fünf stille Personae.

Aus der Cluster-Analyse der 4.200 Antworten lassen sich fünf Personae mit sehr ähnlichem Auftrittsverhalten — aber unterschiedlichen Multiplikator-Mustern — sauber trennen. Keine davon sucht aktiv die öffentliche Bühne; alle haben spezifische Hebel, die in der klassischen Influencer-Strategie selten adressiert werden.

Die „Curated Sharer".

22% der stillen Multiplikator:innen, primär 28–42 Jahre. Hoher Konsum kuratierter Inhalte, hochselektives Weiterleiten an wenige enge Kontakte. Entscheidet für 2–4 weitere Personen mit — typischerweise im Lifestyle-, Travel- und Food-Segment. Die wertvollste Persona für High-Consideration-Kategorien.

Die „Pragmatic Researcher".

19%, leicht männlich-skewed, 35–49 Jahre. Recherchiert vor dem Kauf systematisch, liest Reviews, vergleicht Spezifikationen. Teilt Empfehlungen erst nach eigenem Kauf — dann aber mit hoher Glaubwürdigkeit. Hebel im Tech-, Auto- und B2B-Bereich.

Multiplikator-Reach pro Persona

n=1.050 · Median Personen pro Empfehlung
Curated Sharer
3.4×
Pragmatic Researcher
2.9×
Quiet Connector
2.5×
Workplace Voice
2.0×
Family Anchor
1.7×

Kapitel 03Daten und Validierung.

Die fünf Personae wurden gegen drei externe Datenquellen validiert: anonymisierte Plattform-Verhaltensdaten von zwei Partner-Marken (n=130k Sessions), eine Längsschnitt-Befragung über 12 Wochen (n=820) sowie ein Side-by-Side-Test gegen klassische segmentierte Marktforschung früherer Projekte. Die Cluster-Stabilität liegt bei 87%, die Verhaltensvalidität (Plattform-Daten vs. Selbstauskunft) bei ρ=0,84.

Kapitel 04Implikationen für Markenstrategie.

Wer die stillen Multiplikator:innen erreicht, gewinnt eine Hebelwirkung, die klassische Reichweiten-KPIs systematisch unterschätzen. Drei strategische Konsequenzen lassen sich aus unseren Daten direkt ableiten:

Key Takeaways

Was Sie aus dieser Analyse mitnehmen sollten.

  1. Reichweite ist nicht Einfluss. 64% Ihrer Zielgruppe sind nie Influencer:innen und werden es auch nicht. Ein reines Creator-Targeting lässt strukturell den Großteil des Marktes ungenutzt.
  2. Stille Multiplikator:innen sind messbar. Persona-Modelle mit gut konstruierten Skalen identifizieren sie mit ρ=0,84 Plattform-Validität — sauberer als jeder klassische Reichweiten-Filter.
  3. Die Curated Sharer ist Ihre wichtigste Persona. Mit 3,4× Multiplikator-Reach pro Empfehlung schlägt sie jede klassische Mid-Tier-Influencer-Liste, die sich an Folgerzahlen orientiert.

AnhangMethodik & Datenbasis.

Die Analyse basiert auf der LUMIFAI Persona-Welle DE-2026.1 (Feldzeit 12.01.–02.02.2026, n=4.200, repräsentativ für Online-Bevölkerung 18–49 nach Alter × Geschlecht × Bundesland). Die Skalen-Items wurden in einer separaten Pretest-Welle (n=320) auf Reliabilität (α≥0,82) und Trennschärfe geprüft. Cluster-Lösung: k=5, Bayesian Information Criterion validiert. Vollständige Methoden-Dokumentation auf Anfrage; eine reduzierte Version steht im LUMIFAI-Edge-Methodikbereich für Lizenznehmer:innen zur Verfügung.

JW
Über die Autorin

Julia Weiss

Principal · Brand Strategy bei LUMIFAI

Julia entwickelt seit zwölf Jahren Persona-Modelle für Marken zwischen 50 Mio. und 4 Mrd. EUR Umsatz. Vor LUMIFAI war sie strategische Lead-Beraterin bei einer der Top-5-Branding-Agenturen Deutschlands; ihr Fokus liegt auf der Verbindung quantitativer Methoden mit Marken-Narrativen, die in Vorständen tatsächlich entschieden werden.